Wie man Chinchillakäfige selbst baut
Mein erstes Chinchilla habe ich in einem der üblichen, ziemlich winzigen Chinchilla-Gefängnisse bekommen, in die nur ein Futternapf, ein Sitzbrett und eine kleine Sandbadewanne passte. Moppel, mein großes, stabiles Chinchilla, war eindeutig sehr unglücklich in ihrer winzigen Behausung, deshalb habe ich bald beschlossen, ihr ein ordentliches Domizil zu bauen, zumal ich fest entschlossen war, dass sie nicht allein bleiben sollte. In den vielen Jahren, die sie jetzt bei mir leben, habe ich drei Käfige gebaut und einen gekauft, und was ich dabei gelernt habe, möchte ich der Welt nicht vorenthalten. :-)
Der ultimative Chinchillakäfig

Das hier ist das Prachtstück, das wir Ende Juli 2002 vollendet haben. Es ist natürlich noch viel sorgfältiger geplant als alles andere zuvor. Viele Dinge, die mich an meinem letzten Käfig genervt haben, kommen jetzt nicht mehr vor: Er hat jetzt eine ordentliche Tür, ein stabiles Dach, ist noch besser auseinanderzunehmen und hat eine Grundfläche, die es den Tieren ermöglicht, auch an den Schmalseiten ein paar Sprünge zu laufen. Die Grundfläche beträgt jetzt 1,60m x 0,90m, die Höhe ist immer noch 1,20m. Da die Bretter, die die Seiten bilden, außen an die Grundplatte angesetzt sind, haben die Tiere tatsächlich die gesamte Grundfläche zur Verfügung. Der Aufbau besteht wieder aus Quadrathölzern und sitzt auf der Bodenwanne auf. Das Material hat etwa 150 Euro gekostet. Nun mal im Detail:
Die Bodenwanne
Die Wanne besteht aus 16mm dicker Spanplatte. Die Spanplatte ist mit Melamin beschichtet, damit man sie leicht sauberhalten kann. Alles andere, etwa gewachstes Sperrholz und so weiter, macht meiner Erfahrung nach keinen Sinn. Siebdruckplatten könnten auch funktionieren, aber da gefällt mir die Farbe nicht (immerhin muss das alles in meinem Zimmer stehen) und der Preis noch weniger (ist doppelt bis dreifach so teuer wie Spanplatte). Die Platten lässt man sich im Baumarkt zuschneiden und setzt sie dann mit vielen, nicht zu dicken Holzschrauben zusammen. Vorbohren nicht vergessen, die Platten splittern leicht. Die Fugen, die eigentlich immer entstehen, kann man mit Silikon verfugen, wenn man sich zutraut, keine leckeren Ecken für die Chins übrigzulassen, oder mit einfachem Ponal-Holzleim verschmieren, das widersteht auch eine Weile.
Wichtig ist, das die Platten so stark sind, wie später die Kanthölzer des Aufbaus sein sollen, damit nichts übersteht und die Chinchillas keine Kanten finden, an denen sie zu knabbern anfangen können!
Der Unterbau
Früher hatte ich ein kleines Regal, auf das ich den Käfig gestellt habe. Das war aber eine ziemlich wackelige Angelegenheit, deshalb haben wir diesmal einen eigenen Unterbau gebaut. Den habe ich, weil er wirklich simpel ist, nicht abgelichtet. Man braucht einfach nur folgendes: Ein paar gehobelte Bretter, so lang wie der Käfig später wird (Zugabe für die angesetzten Bretter nicht vergessen!), und vier möglichst gleich lange Beine. Die Bretter setzt man mit Holzschrauben zu einem Rahmen zusammen und schraubt dann die Beine in die Ecken. Das einzige, auf das man achten sollte, ist, dass man eine möglichst plane Oberfläche verwendet, auf der man die Beine und den Rahmen zusammenbaut, damit später nichts wackelt. Die Beine haben wir, damit der Unterbau transportabler wird, mit Metallschrauben, Muttern und Unterlegscheiben befestigt. Auf dem Bild sieht man, wie das aussieht: Die Schraube geht ganz durch das Brett durch (das Loch dazu muss man natürlich bohren, klar) und wird auf der anderen Seite mit einer Mutter befestigt. Das ist wirklich superstabil. Auf dem Foto sieht man auch, dass wir an die Ecken des Unterbaus Eckverbinder gesetzt haben (diesmal nur mit Holzschrauben), in denen die Bodenwanne sitzt. Das hält einfach bombenfest.

Der Aufbau
Jetzt wird's kompliziert. Also, im Prinzip besteht der Aufbau aus einer Menge Quadratleisten (20 x 20mm, Fichte). Die werden mit einem Fuchsschwanz zurechtgesägt und mit Holzschrauben zu Rahmen verbunden. Wie diese Rahmen aussehen, ist wohl Geschmackssache. Ich hatte vor, an die Rahmenleisten die Sitzbretter zu schrauben (dazu später), so dass ich mehrere kleinere Rahmen gebaut habe. Die Seitenteile sind die größten Rahmen, so groß, dass wir sie wahrscheinlich nochmal mit einer eingesetzten Leiste unterteilen werden. Sie gehen komplett über die Schmalseiten, sind also etwas über 90 cm breit (93,2, jedenfalls in der Theorie) und 1 m hoch (ein Meter, weil die Bodenwanne schon 20 cm hoch ist und der Käfig nicht höher als 1,20m sein soll). Die Rückseite besteht aus zwei dieser Rahmen, von denen jeder natürlich halb so breit ist wie die Rückwand. Vorn habe ich zwei ganz kleine Rahmen und einen großen, in dem die Tür ist, und das Dach wird von einem durchgehenden Rahmen gebildet.
Die Rahmen haben wir allesamt mit Metallschrauben miteinander befestigt, wie man das auf dem Bild sieht. Dazu haben wir alles mit Schraubzwingen zusammengehalten, dann Löcher durch die zu verbindenden Teile gebohrt, die Schraube durchgesteckt und auf der anderen Seite mit einer Mutter fixiert. Das ist auch wirklich echt bombenfest und leicht auseinanderzunehmen. Innen sind die Rahmen mit Gitter bespannt (22 mm Maschenweite). Welches Gitter man nimmt (es gibt auch welches mit 15 mm Maschenweite), ist eher Geschmackssache und kommt noch dazu darauf an, ob man züchten will. Chinchillakinder kommen durch das 22mm-Gitter, das ich verwendet habe, leicht durch, deshalb sollte man dann lieber das engere Gitter verwenden. Sonst ist das große Gitter schöner, weil man dann auch im Vorbeigehen mal eine Nase kratzen kann. Befestigt wird das Gitter mit einem Tacker. Am besten zieht ein Helfer das Gitter stramm, während man tackert.
Damit die Chinchillas das Holz nicht annagen, bezieht man die Rahmen komplett mit Drahtgeflecht, bis an den Rand. Das führt natürlich dazu, dass man beim Zusammensetzen ein Sandwich aus Holz, Gitter und wieder Holz bekommt, deshalb müssen die Schrauben zum Zusammensetzen schön fest angezogen werden - und man sollte die Stärke des Drahtes mit in die Skizze einbeziehen.

Um das Gitter zuzuschneiden und überstehende Gitterreste abzuschneiden, braucht man einen guten Seitenschneider. Abstehende Drahtreste und scharfe Ecken müssen danach unbedingt mit einer Feile oder Schleifpapier abgeschliffen werden, damit sich niemand verletzt. Ich habe mir nämlich beim Bauen des Käfigs den Kopf an einer unabgeschliffenen Ecke gestoßen und weiß, wovon ich rede... Die Kanten, die beim Abzwicken entstehen, sind messerscharf und erzeugen ganz leicht fiese blutende Wunden. Also immer wieder mal drüberfühlen, ob auch alle Kanten entschärft sind.
Und so wird der Aufbau an der Bodenwanne befestigt: Einfache Verbinder an die Bodenwanne schrauben, am Käfig wie vorher mit Metallschrauben befestigen. Die unvermeidlichen Ungenauigkeiten beim Zusammenbau, die in einem leicht schiefen, aber sehr stabilen Gebilde resultieren, werden jetzt vollkommen ausgeglichen, einfach indem es so in Form gezogen wird.

Die Tür
Die Tür besteht natürlich auch nur aus einem Rahmen, der mit Scharnieren im größeren Rahmen verankert ist. Sie wird mit zwei einfachen Riegeln geschlossen, einer oben und einer unten an der Tür. Den Bügel an der Vorderseite habe ich mir gespart, weil das Gitter innen auf dem Rahmen etwas nach innen ragt und die Tür so nicht nach innen fallen kann. Meine Erfahrung ist, dass man Riegel nehmen sollte, die man unten fixieren kann, also nicht die ganz einfachen, sondern die, die in der geschlossenen Position fixierbar sind.

Die Pinkelwand
Weil wir ja alle wissen, dass sich Chinchillas manchmal im Streit anpinkeln, und weil ich weiß, dass das in der Regel die Rückwand trifft, habe ich ganz dünne (3 mm) beschichtete Spanplatte in die Rahmen der Rückwand gesetzt. Das heißt, dass ich die Platten von hinten in den bereits mit Draht bespannten Rahmen gesetzt habe und im 90°-Winkel dazu in das Holz kleine Schrauben gedreht habe, die mit ihrem Köpfen die Platten halten. Dazu reichen ganz dünne Schräubchen oder kleine Nägel - einfach wie bei einer simplen Schrankrückwand. Um die Platten zu reinigen, kann man sie einfach rausnehmen. Wieso ich Draht und Spanplatten verwendet habe? Ganz einfach, ich kann erstens die Platten zum Reinigen rausnehmen, ohne die Chins evakuieren zu müssen, zweitens ist der Aufbau so leichter, als wenn ich stabilere Spanplatte als Rückwand verwendet hätte, und drittens kann ich für die Inneneinrichtung noch Zweige in der Rückwand verkeilen, was mit einer glatten Rückwand nicht möglich gewesen wäre.
Inneneinrichtung
Das Schlafhaus steht jetzt auf einem durchgehenden Brett ganz oben im Käfig. Seitdem mag Moppel auch Schlafhäuser - sie war wohl bloß ein bisschen wählerisch. Die Bretter sind allesamt mit Regalwinkeln (keine Stuhlwinkel nehmen!) an den Rahmenleisten befestigt. Die Tonröhre liegt immer noch auf dem Boden, und wenn hier die Bäume endlich wieder geschnitten werden, kommen auch noch viel mehr große Äste in den Käfig. Ansonsten ist alles beim Alten: Heuraufe, Wasserflasche, Freßnapf, Steine - ach ja, das Buffet ist nicht vom Boden aus, sondern von einem großen Brett aus erreichbar, das ich ganz oben in den Winkel der Bodenwanne geschraubt habe. So fressen die beiden sicher nicht vom Boden.
Die Hängebrücke
Diese Brücke ist einfach klasse. Die Bauanleitung habe ich aus dem Netz und finde sie leider nicht mehr online. Egal - es war recht einfach: Eine Menge kleiner Lamellen für Schränke oder so kaufen, je zwei Löcher in die Enden bohren, und ein dünnes Seil durchfädeln, so dass eine Hängebrücke entsteht. Ich hab allerdings die Erfahrung gemacht, dass es mit einem Stahlseil nicht klappt, weil sich auch bei einem drall- und spannungsarmen Seil die Brücke nach kurzer Zeit zusammenrollt. Das Seil ist einfach zu fest. Ein Seil aus Eisendraht hat aber wunderbar funktioniert. Die beiden Mädels lieben die Brücke.

Tja, das war eigentlich alles. Wer Fragen dazu hat, kann sich natürlich jederzeit bei mir melden. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass das noch nicht mein letzter Käfig gewesen ist - ich träume schon von einem Chinchilla-Habitat für mehrere Chins und mit mehreren Quadratmetern Grundfläche, am besten in ein Haus integriert (das ich dafür natürlich noch bauen müsste, aber so ist das eben mit Träumen) und mit einem kleinen Auslauf für trockene, nicht zu warme Sommerabende. Dafür werde ich natürlich auch eine Bauanleitung ins Netz stellen. :-)
Käfigbau