Vor allem Chinchillas

Antje Schulte

Rosalie

Rosalie kam zu uns, nachdem Kleines gestorben war. Menschen können einem Chinchilla nicht den Partner ersetzen, und deshalb war klar, dass Moppel jemanden brauchen würde.
Nur, woher kriegt man auf die Schnelle ein geeignetes Chinchilla? Weil Moppel sehr lieb und zurückhaltend ist, wollte ich unbedingt auch ein nett wirkendes Chinchilla oder ein junges Tier, das sich eher unterordnen würde. Und ich wollte ein Weibchen. Ich erspare euch die Geschichte, wie ich die Tierheime und Zoohandlungen der Umgebung abgesucht habe - gefunden habe ich ein etwa fünf Monate altes Scheckenmädel, das gleich bei der ersten Begegnung mit mir gar nicht mehr von meinem Arm herunter wollte. Die Entscheidung, zu uns zu kommen, hat sie selbst getroffen. Da kann man nichts machen... :-) Die ersten Tage bei uns waren sehr aufregend. Rosalie hat sie in einem großen Kaninchenkäfig verbracht, aus dem sie unbedingt heraus wollte. Aber in die Voliere konnte ich sie nicht setzen, da nicht klar war, ob sich Moppel und Rosalie vertragen - deshalb mussten sie ein paar Tage nebeneinander in getrennten Käfigen verbringen.
Moppel war vom ersten Tag an begeistert. Sie hat gerufen und geschnuppert, und ich war sicher, dass Moppel Rosalie mögen würde. Rosalie hat Moppel kaum beachtet, sie war eher an uns Menschen interessiert, hat viel geschmust und sich an uns gedrückt. Aber sie war auch nicht feindselig. Und deshalb habe ich nach ein paar Tagen den Entschluss gefasst, sie zusammen in die Voliere zu setzen.

Umbaumaßnahmen

Das ist natürlich ein größeres Unternehmen. Chinchillas sind territorial, sie markieren und verteidigen ein Revier und sind oft nicht begeistert von Eindringlingen. Deshalb mussten Moppels Spuren so weit wie möglich verwischt werden. Während Moppel im Transportkäfig ausharren musste, wurde der Käfig generalgereinigt, die Äste wurden komplett entfernt, die Sitzbretter geschrubbt, die Tonröhren und die sonstige Einrichtung in heißem Wasser gründlich gebürstet. Wir haben ein paar dicke Haselnuss-Äste für die neue Inneneinrichtung besorgt und den Käfig fast komplett umgebaut.
Dann kam der Moment der Wahrheit: Moppel und Rosalie durften zum ersten Mal zusammen in den Käfig. Zuerst haben sie sich überhaupt nicht beachtet. Jede war damit beschäftigt, das neue Revier zu erobern, die Distanzen zu den Ästen auszutüfteln und herauszufinden, wo es in Zukunft Essen geben wird. Mehr zufällig sind sie sich dabei über den Weg gelaufen, aber mehr als ein kurzes Beschnuppern passierte nicht. Damit war ich auch zuerst mal zufrieden.

Missverständnisse

Zu ersten Problemen kam es, als Moppel die ersten Annäherungsversuche gestartet hat. Moppel ist ein sehr liebes, nettes und geselliges Tier, aber sie ist mit über 800 g Gewicht sehr groß, sehr schwer und sehr furchteinflößend für ein junges Chinchilla. Wir sind sicher, dass sie nur versucht hat, Rosalie zu beschnuppern und zu beknabbern, aber Rosalie geriet in Panik und ist dabei mehrmals panisch durch den Käfig gerast und hat Fell abgeworfen. Sie hat Moppel sogar mit Urin besprüht. Bei ein paar dieser Verfolgungsjagden ist sie so in Panik geraten, dass sie von einem der (glücklicherweise nicht sehr hoch aufgehängten) Äste gefallen ist.
Das konnte ich nicht lange mit ansehen. Zwar war keine Gefahr, Moppel war die einzig Leidtragende, da sie jeden Tag mehrere Urinladungen abbekam, aber ich wollte nicht, dass Rosalie sich eines Tages doch beim panischen Sturz vom Ast verletzt. Deshalb habe ich ein Sprungtuch gebastelt.

Der Beziehungsretter

Um sie vor weiteren Stürzen zu bewahren, habe ich einfach ein altes Handtuch quer in den Käfig unter den Ast gehängt, von dem sie ständig fiel. Lustigerweise ist sie seitdem noch nie wieder von dem Ast gefallen, aber das Handtuch hatte noch eine zweite, unerwartete Wirkung: Moppel und Rosalie fanden das Handtuch so faszinierend, dass sie den ganzen Abend damit verbracht haben, es zu erkunden, übereinander zu stolpern, aneinander vorbei hoppeln zu müssen, zu knabbern, sich zu wundern und sich dabei ganz nebenbei kennenzulernen.
Am nächsten Tag saßen sie zusammen auf dem Schlafbrett, eng aneinandergekuschelt und sehr müde, und am nächsten Abend haben sie sich zum ersten Mal gegenseitig gekrault. Von dem Tag an waren sie ein Herz und eine Seele.

 

 
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