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Tips und Tricks

Hier habe ich all die vielen tollen Dinge gesammelt, die mir meine Chinchillas in mehr als zehn harten Jahren des Trainings beigebracht haben.

Wärmelampen

Manche Chins scheinen trotz ihres dicken Fells Wärme sehr zu genießen. Kleines ist so ein Fall, wie man auf den Fotos unten gut erkennen kann. Nein, sie liegt nicht in den letzten Zügen, sie sonnt sich einfach nur. Und weil sie das mit viel Hingabe macht, dabei einschläft, ihr Fell sträubt, sich flach in die Streu legt und mit dem Sonnenstand weiterrobbt, sieht sie auf dem Foto aus wie ein Ferkel.

Chinchilla sonnt sich Chinchlla sonnt sich noch mehr

Auf den Fotos kann man deutlich die roten Ohren erkennen - Chinchillas regeln ihre Körpertemperatur über die Ohren, indem sie die Gefäße in den Ohren weiten, um Hitze abzugeben (wie auf dem Foto), oder verengen, um Wärme zu sparen. Kleines schwitzt also eigentlich, aber das hindert sie nicht daran, in der Sonne sitzen zu bleiben.
Wenn sie wieder mal Zahnprobleme hat oder wenn ich einfach nur besonders nett sein will, lasse ich sie eine halbe Stunde vor einer handelsüblichen Infrarotlampe sitzen. Wenn sie krank ist, findet sie das natürlich besonders toll, aber auch als Wellnessurlaub zwischendurch, wenn die Sonne nicht in ihren Käfig scheint, ist das immer gern genommen. Sie setzt sich immer so dicht wie möglich an die Wärmequelle, sprich, ans Gitter, deshalb muss man aufpassen, dass die Lampe das Gitter nicht zu stark erwärmt.

Skorbut

Offenbar gehören Chinchillas wie Menschen und Meerschweinchen zu den Tieren, die kein oder nur wenig Vitamin C selbst herstellen können. Das ist normalerweise kein Problem, denn in ausgewogener Nahrung steckt genügend Vitamin C, um Mangelerkrankungen zu vermeiden. Chinchillas haben allerdings ihre eigene Vorstellung von ausgewogener Ernährung, weshalb es sein kann, dass ein Chinchilla einfach nicht so gern Vitamin C-haltige Nahrung zu sich nimmt. Ich habe den Verdacht, dass auch das oft empfohlene Futter zu Skorbut führt, denn viele Bücher und Tierärzte gehen davon aus, dass Chinchillas kein frisches Futter bekommen sollen. Aber in getrockneten Früchten oder in trockenen Kräutern ist so gut wie kein Vitamin C enthalten. Wenn dann noch alte Pellets oder welche ohne Vitamin C-Zusatz gefüttert werden, kann es zur Vitamin C-Mangelkrankheit Skorbut kommen. Allerdings scheinen die Chinchillas auch unterschiedlich empfindlich dafür zu sein.

Chinchilla mit Skorbut Skorbut äußert sich bei Chinchillas meist in Problemen mit der Mundschleimhaut und dem Zahnfleisch. Die Schleimhaut entzündet sich und wird rot und empfindlich, manchmal verlieren die Tiere auch Zähne. Die Entzündung kann so schlimm und schmerzhaft werden, dass das Chinchilla die Nahrung verweigert und stirbt. Manchmal ist auch die Haut betroffen, dann können z.B. die Ohren schuppig aussehen. Da man einem Chinchilla wohl eher selten in den Mund schaut, kriegt man Skorbut oft erst mit, wenn dem Chinchilla Speichel aus dem Mäulchen läuft und es Mundgeruch entwickelt. Das sieht dann so aus wie auf dem Bild nebenan. Sabbern kann auch ein Zeichen für zu lange Zähne oder eine Zahnfehlstellung sein, was beides genauso tödlich sein kann wie Skorbut, deshalb bitte sofort mit einem sabbernden Chinchilla zum Tierarzt gehen! Wenn aber der Tierarzt eine Zahnfehlstellung ausschließen kann, dafür jedoch eine Entzündung der Mundschleimhaut feststellt, handelt es sich häufig um Skorbut. Leider wissen die meisten Tierärzte noch nicht mal, dass Chinchillas Skorbut bekommen können und diagnostizieren Skorbut einfach nicht, weil sie es nicht kennen. Kleines wurde sehr lange wegen ihrer leichten Mundhöhlenentzündung mit Antibiotika behandelt.

Wie man Vitamin C in Chinchillas befördert

Tja, was tut man da... Skorbut behandelt man mit viel, viel Vitamin C. Nur wie kriegt man das Tier dazu, Vitamin C aufzunehmen? Oft ist ja gerade das Problem, dass das Chinchilla frische Sachen nicht mag oder nicht genügend davon aufnimmt. Manche Chinchillas scheinen auch einfach einen erhöhten Bedarf zu haben, so dass die übliche Chinchillakost nicht ausreicht, um ihren Bedarf zu stillen. Ich spekuliere hier natürlich - es gibt bisher meines Wissens überhaupt keine Untersuchungen dazu.

Wenn man Skorbut so spät bemerkt, dass das Tierchen keine Nahrung mehr aufnimmt, ist es einfach - man füttert ja sicherlich ohnehin aufgeweichte Pellets mittels Spritze. Es ist sehr einfach, dann eine Messerspitze Vitamin C-Pulver (gibt's für 1,50 Euro in der Apotheke) ins Futter zu rühren und es dem Tier zwangsweise zu verabreichen. Meiner Erfahrung nach regeneriert sich die Schleimhaut innerhalb von ein bis zwei Wochen so weit, dass das Tier wieder fressen möchte.

Sabbernden oder sonstwie auffälligen Chinchillas, die noch nicht das Fressen eingestellt haben, ist Vitamin C schwieriger zu verabreichen. Ich habe lange probiert, bis ich den optimalen Trick entdeckt habe - Äpfel. Die enthalten von sich aus schon Vitamin C, nicht genug, um Skorbut zu heilen, aber sie schmecken ohnehin schon säuerlich, da macht es nichts, wenn wir noch ein bisschen mehr Säure hineintun, nicht? Um Kleines wieder hinzubekommen, habe ich ihr jeden Tag ein Apfelstück gegeben (etwa die Hälfte eines mittleren Schnitzes), den ich vorsichtig aufgeschnitten hatte wie ein Schmetterlingssteak, um dann in den Schlitz in der Mitte eine Messerspitze Vitamin C-Pulver zu füllen. Wieder zusammendrücken, fertig. Kleines hat es nie gemerkt. Die ersten Tage waren allerdings ziemlich schlimm, da sie mit Appetit in den Apfel gebissen hat und ihn im nächsten Moment wieder fallen gelassen hat. Am Apfelstück waren kleine blutige Spuren, die ihr blutendes Zahnfleisch hinterlassen hatte... Sie tat mir furchtbar leid, die Säure am rohen Zahnfleisch muss sehr weh getan haben. Mit viel Geduld (immer wieder anbieten) und hin und wieder einem Tag Pause, damit das Zahnfleisch eine Chance hatte zu Heilen, haben wir es aber doch geschafft. Also nicht aufgeben!
Das hilft natürlich nur, wenn das Chinchilla Äpfel mag. Ich kenne allerdings keines, das sie nicht mag. Der Trick ist auch mit vielen anderen Leckerchen anwendbar, etwa mit Rosinen, die man mit den Fingernägeln auseinanderzieht ud dann in Vitamin C-Pulver tunkt. Die Rosine wieder zudrücken und dem Patienten unterschieben.

Zur Vorbeugung, vor allem, weil ich Kleines' Krankheit ganz entsetzlich fand, bekommen meine Chinchillas jede Woche zweimal einen so präparierten Apfel. Darüberhinaus gehöre ich natürlich der Frisches-Futter-Fraktion an - meine Chinchillas bekommen je nach Jahreszeit frischen Löwenzahn, Petersilie, ausschlagende Obstbaumzweige mit dicken Knospen, frisches Wiesenlieschgras, Vogelmiere, Wegerich und vieles mehr. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass irgendein Tier auf die frischen Inhaltsstoffe der Pflanzen verzichten kann, und Chinchillas tun das auch nicht in der Natur.

Gewichtskontrolle

Wer glaubt, das nicht zu brauchen, hatte noch nie ein krankes Chinchilla. :-) Chinchillas verlieren schnell Gewicht, wenn sie krank sind, und was das gemeinste daran ist: Man sieht es nicht. Das viele Fell maskiert sehr, sehr lange den Gewichtsverlust. Wenn sich das Tier anfassen lässt, bemerkt man einen Gewichtsverlust vielleicht daran, dass sich das Chin knochiger anfühlt, aber da sowas natürlich schleichend vor sich geht, realisiert man den Gewichtsverlust oft zu langsam.Waage für Chinchillas
Deshalb bin ich dazu übergegangen, meine Chinchillas zu wiegen. Tja, wie macht man das... Chinchillas lassen sich nicht einfach auf eine Waage setzen wie ein Hund oder eine brave Katze, dazu sind sie viel zu quirlig. Deshalb habe ich eine kleine, flache, digitale Waage gekauft, deren Waagschale man abnehmen kann. Das Bild zeigt genau das Modell, das ich habe, die "Unica" von Soehnle. Wichtig ist, dass die Messgenauigkeit groß genug ist. Bei Gewichten von rund 300 bis 700 Gramm oder sogar noch weniger, wenn man Jungtiere wiegen will, fällt eine Abweichung von fünf Gramm wörtlich ins Gewicht.
Die Waage stelle ich ohne Schale und ohne Paprika einfach in den Käfig, wenn Fütterungszeit ist, und warte, bis sich ein Tier draufsetzt. Dann kriegt es eine Rosine, damit es erstmal sitzenbleibt, ich drücke auf "On", und wenn das Chin weghüpft, weiß ich durch die Tara-Funktion der On-Taste genau, wieviel es gewogen hat, weil die Waage dann natürlich z.B. -404 g anzeigt.
Die Tiere setzen sich ganz, ganz sicher auf die Waage, wenn sie nur flach ist und keine wackelige Waagschale drauf ist. Chinchillas haben eine Vorliebe für flache Steine, die aus der Streu ragen - und was unterscheidet eine Waage schon von einem flachen Stein?

Zum Tierarzt

Anstatt langwierige Jagdaktionen zu starten, weil eins meiner Chinchillas nicht zum Tierarzt möchte, stelle ich einfach die Transportbox in den Käfig und warte, bis die Neugierde siegt. Chinchillas krabbeln einfach in alles, also krabbeln sie irgendwann auch in Transportboxen.
Nach ein paar traumatischen Tierarztbesuchen haben sie den Bogen natürlich raus. Aber dann kommt Plan B: Ich tu so, als würde ich versuchen, das betreffende Tier mit der Hand zu fangen, und warte, bis es sich in der Tonröhre versteckt. Die Tonröhre halte ich an einem Ende zu, das andere kommt in die Transportbox. Und siehe da, das Chinchilla ist in der Box. Ha!

Medikamente eingeben

Der Handtuchtrick. Man braucht trotzdem einen Helfer: Einer wickelt das Chinchilla in ein Handtuch, so dass es nur mit großer Mühe die Beine aus dem Handtuch befreien kann, und der andere gibt ihm das Medikament. Irgendwann hat es natürlich geschafft, sich zu befreien, schon weil man die kleinen Beinchen und Ärmchen nicht verletzen will und wahrscheinlich niemand so fest zupacken kann, dass es sich nicht losmachen kann. Kleines hat diese wunderbare Ruckeltaktik entwickelt, als wir ihr ein Antibiotikum geben mussten. Wenn sie meinte, jetzt wäre es aber genug, hat sie rauf und runter geruckelt, so dass sie immer ein kleines bisschen weiter nach oben gerutscht ist und schließlich ihre Pfötchen befreit hatte - dann ging alles ganz schnell. Deshalb muss man zügig und beherzt handeln. Klingt einfach, ist es aber nicht, wenn man merkt, dass das Tierchen unbedingt aus dem Handtuch raus möchte und auf keinen Fall Medikamente einnehmen will. Wer tut schon gern seinem Tier Gewalt an. Aber hier muss es sein, und besser ist, man tut es schnell. Deshalb zieht man die Medikamente, die man eingeben muss, schon vorher auf eine Plastik-Einwegspritze (ohne Nadel, versteht sich), und legt diese griffbereit. Der Helfer setzt sich am besten mit dem Handtuch schon mal in Position, man selbst greift sich das Tier schnell und möglichst unaufgeregt (wenigstens so tun!) und wickelt dann das Handtuch zu zweit um das Tier, bis nur noch der Kopf rausguckt. Die Chinchilla-Hände werden gut, aber vorsichtig, im Handtuch verstaut. Bis hierher dauert das bei einem eingespielten Team keine Minute. Dann greift man mit der einen Hand um den Kopf des Tiers, zieht die Lippen an einer Seite etwas hoch, bis man die Lücke zwischen den Schneidezähnen und den Backenzähnen sieht, stopft in diese Lücke die Spritze und drückt zügig, aber nicht zu hastig, das Medikament in die Mundhöhle. Dann läßt man den Kopf sofort los, damit sich das Tier nicht verschluckt - aber bei den kleinen Mengen, die man üblicherweise eingeben muss, klappt das in der Regel sehr gut.
Sehr wichtig ist, dass man sich die Nervosität nicht anmerken läßt, die man vielleicht fühlt. Man muss sich einfach immer wieder das eine sagen: Es ist das beste für das Tier, also muss es sein. Man sollte sich schnell, aber nicht hastig bewegen, sicher zupacken, auch wenn einem nicht danach ist, und sich nicht von flehenden Blicken beeindrucken lassen. Denn wenn das Chinchilla merkt, wie elend einem zumute ist, weil man es so "quälen" muss, bekommt es noch mehr Angst, weil es das nicht einordnen kann und nur die Aufregung spürt.

Durchfall

Durchfall ist im Zweifelsfall ein Fall für den Tierarzt, wie alles, was einem seltsam vorkommt. Lieber einmal zu oft zum Tierarzt als einmal zu wenig... Aber leichter Durchfall, wie er bei Futterumstellungen, nach Antibiotika-Behandlungen oder Stress vorkommt, der Durchfall, der nicht mit Abgeschlagenheit oder gar Fieber und anderen Krankheitssymptomen einhergeht, lässt sich gut in den Griff kriegen. Und zwar mit diesen einfachen Mitteln:

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Das ist eine Paste, in der bestimmte Bakterien enthalten sind, die den Darmtrakt von Tieren (und auch Menschen) besiedeln. Bakterien im Darmtrakt sind sehr wichtig, sie erzeugen Vitamine, regeln den pH-Wert im Darm und sorgen dafür, dass sich nicht viele pathogene Bakterien ansiedeln können, indem sie den pathogenen Keimen Nahrung und Platz streitig machen. Zerstört man die normale Bakterienflora im Darm, etwa durch orale Antibiotika, kann es zu Durchfällen kommen. Bei Tieren hat sich bewährt, die Flora mit der besagten Paste wieder "anzuwerfen". Die Paste führt der Tierarzt, sie kostet nicht viel. Man sollte versuchen, ob die Tiere das Zeug von selbst vom Finger lecken, denn es schmeckt anscheinend ganz gut (dazu kann man mit einem Stupser Paste ihr Mäulchen besudeln, so dass sie es ablecken müssen, dann kommen sie manchmal auf den Geschmack). Wenn nicht, muss man halt zum Handtuchtrick greifen und Zwang anwenden. Manchmal bemerken die Tiere beim Zwangsfüttern aber auch, dass die Paste lecker ist, und lecken ihre Portion am nächsten Tag freiwillig vom Finger.

Trockene Brötchen

Das ist endlich mal eine Medizin, die gern gefressen wird. Die Herstellung ist denkbar einfach und kostengünstig: Man besorgt sich beim Bäcker ein weißes Brötchen, schneidet es in kleine Stücke (etwa 2 x 2 cm), solange es noch nicht steinhart ist, und läßt es einen Tag liegen, wenn man es bei schlechten Bäckern gekauft hat, und zwei Tage, wenn man einen guten Bäcker kennt. ;-) Wie dem auch sei, wenn man mit dem Brötchen jemanden erschlagen oder Bretter schleifen könnte, ist es fertig. Dann spendiert man jeden Abend vor dem eigentlichen Füttern eines dieser Stücke. Das sorgt dafür, dass das gute Futter nicht sofort wieder aus dem Tierchen rausläuft. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Tiere die Brötchen verweigern, wenn sie sie nicht mehr brauchen, aber da ich nicht viel von Chinchilla-Instinkten halte, wenn es um's Essen geht, ist wohl besser, wenn man einfach mal testet, ob sich der Darm schon beruhigt hat, und das Brötchen einfach einen Tag weglässt.

Der eigentlich obligatorische Warnhinweis

Nochmal in aller Deutlichkeit: Diese Tipps sind nur anzuwenden, wenn man sicher ist, dass das Tier eigentlich gesund ist. Durchfall kann auch das Symptom einer schweren Grunderkrankung sein, etwa einer tödlichen Infektionserkrankung. Schwerer Durchfall dehydriert ein so kleines Tier wie ein Chinchilla sehr schnell und kann auch ohne schwere Grunderkrankung zum Tod führen. Langwieriger Durchfall führt dazu, dass Nährstoffe, Vitamine und Mineralstoffe nicht mehr gut resorbiert werden können, was wiederum zu lebensbedrohlichem Gewichtsverlust und Mangelerscheinungen führen kann. Also, bei Durchfällen, die nicht schnell wieder weg gehen, die schwer sind oder die mit anderen Krankheitszeichen einhergehen, sofort zum Tierarzt.

Gute Tierärzte finden

Die meisten Tierärzte haben absolut keine Ahnung von Chinchillas. Dazu sind Chins einfach noch zu selten. Um einen guten Tierarzt zu finden, kann man z.B. in Tierkliniken nachfragen, meistens kennen die wenigstens jemanden, der sich damit auskennt. Ich kenne einen guten Tierarzt in Mannheim, den ich gern per Mail weiterempfehlen kann, wenn jemand Bedarf hat.
Wenn man gar nicht mehr weiter weiß, hilft oft eine Frage in alt.chinchilla, einer englischsprachigen Newsgroup, die sich, wie der Name andeutet, mit Chinchillas befasst. Da posten echte Cracks.




Antje Schulte