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Tips und TricksHier habe ich all die vielen tollen Dinge gesammelt, die mir meine Chinchillas in mehr als zehn harten Jahren des Trainings beigebracht haben. Wärmelampen
Manche Chins scheinen trotz ihres dicken Fells Wärme sehr zu genießen. Kleines ist so ein Fall, wie man auf den Fotos unten gut erkennen kann. Nein, sie liegt nicht in den letzten Zügen, sie sonnt sich einfach nur. Und weil sie das mit viel Hingabe macht, dabei einschläft, ihr Fell sträubt, sich flach in die Streu legt und mit dem Sonnenstand weiterrobbt, sieht sie auf dem Foto aus wie ein Ferkel.
Auf den Fotos kann man deutlich die roten Ohren erkennen - Chinchillas regeln ihre Körpertemperatur über die Ohren, indem sie die Gefäße in den Ohren weiten, um Hitze abzugeben (wie auf dem Foto), oder verengen, um Wärme zu sparen. Kleines schwitzt also eigentlich, aber das hindert sie nicht daran, in der Sonne sitzen zu bleiben. Skorbut
Offenbar gehören Chinchillas wie Menschen und Meerschweinchen zu den Tieren, die kein oder nur wenig Vitamin C selbst herstellen können. Das ist normalerweise kein Problem, denn in ausgewogener Nahrung steckt genügend Vitamin C, um Mangelerkrankungen zu vermeiden. Chinchillas haben allerdings ihre eigene Vorstellung von ausgewogener Ernährung, weshalb es sein kann, dass ein Chinchilla einfach nicht so gern Vitamin C-haltige Nahrung zu sich nimmt. Ich habe den Verdacht, dass auch das oft empfohlene Futter zu Skorbut führt, denn viele Bücher und Tierärzte gehen davon aus, dass Chinchillas kein frisches Futter bekommen sollen. Aber in getrockneten Früchten oder in trockenen Kräutern ist so gut wie kein Vitamin C enthalten. Wenn dann noch alte Pellets oder welche ohne Vitamin C-Zusatz gefüttert werden, kann es zur Vitamin C-Mangelkrankheit Skorbut kommen. Allerdings scheinen die Chinchillas auch unterschiedlich empfindlich dafür zu sein.
Wie man Vitamin C in Chinchillas befördertTja, was tut man da... Skorbut behandelt man mit viel, viel Vitamin C. Nur wie kriegt man das Tier dazu, Vitamin C aufzunehmen? Oft ist ja gerade das Problem, dass das Chinchilla frische Sachen nicht mag oder nicht genügend davon aufnimmt. Manche Chinchillas scheinen auch einfach einen erhöhten Bedarf zu haben, so dass die übliche Chinchillakost nicht ausreicht, um ihren Bedarf zu stillen. Ich spekuliere hier natürlich - es gibt bisher meines Wissens überhaupt keine Untersuchungen dazu. Gewichtskontrolle
Wer glaubt, das nicht zu brauchen, hatte noch nie ein krankes Chinchilla. :-) Chinchillas verlieren schnell Gewicht, wenn sie krank sind, und was das gemeinste daran ist: Man sieht es nicht. Das viele Fell maskiert sehr, sehr lange den Gewichtsverlust. Wenn sich das Tier anfassen lässt, bemerkt man einen Gewichtsverlust vielleicht daran, dass sich das Chin knochiger anfühlt, aber da sowas natürlich schleichend vor sich geht, realisiert man den Gewichtsverlust oft zu langsam. Zum TierarztAnstatt langwierige Jagdaktionen zu starten, weil eins meiner Chinchillas nicht zum Tierarzt möchte, stelle ich einfach die Transportbox in den Käfig und warte, bis die Neugierde siegt. Chinchillas krabbeln einfach in alles, also krabbeln sie irgendwann auch in Transportboxen. Medikamente eingeben
Der Handtuchtrick. Man braucht trotzdem einen Helfer: Einer wickelt das Chinchilla in ein Handtuch, so dass es nur mit großer Mühe die Beine aus dem Handtuch befreien kann, und der andere gibt ihm das Medikament. Irgendwann hat es natürlich geschafft, sich zu befreien, schon weil man die kleinen Beinchen und Ärmchen nicht verletzen will und wahrscheinlich niemand so fest zupacken kann, dass es sich nicht losmachen kann. Kleines hat diese wunderbare Ruckeltaktik entwickelt, als wir ihr ein Antibiotikum geben mussten. Wenn sie meinte, jetzt wäre es aber genug, hat sie rauf und runter geruckelt, so dass sie immer ein kleines bisschen weiter nach oben gerutscht ist und schließlich ihre Pfötchen befreit hatte - dann ging alles ganz schnell. Deshalb muss man zügig und beherzt handeln. Klingt einfach, ist es aber nicht, wenn man merkt, dass das Tierchen unbedingt aus dem Handtuch raus möchte und auf keinen Fall Medikamente einnehmen will. Wer tut schon gern seinem Tier Gewalt an. Aber hier muss es sein, und besser ist, man tut es schnell.
Deshalb zieht man die Medikamente, die man eingeben muss, schon vorher auf eine Plastik-Einwegspritze (ohne Nadel, versteht sich), und legt diese griffbereit. Der Helfer setzt sich am besten mit dem Handtuch schon mal in Position, man selbst greift sich das Tier schnell und möglichst unaufgeregt (wenigstens so tun!) und wickelt dann das Handtuch zu zweit um das Tier, bis nur noch der Kopf rausguckt. Die Chinchilla-Hände werden gut, aber vorsichtig, im Handtuch verstaut. Bis hierher dauert das bei einem eingespielten Team keine Minute. Dann greift man mit der einen Hand um den Kopf des Tiers, zieht die Lippen an einer Seite etwas hoch, bis man die Lücke zwischen den Schneidezähnen und den Backenzähnen sieht, stopft in diese Lücke die Spritze und drückt zügig, aber nicht zu hastig, das Medikament in die Mundhöhle. Dann läßt man den Kopf sofort los, damit sich das Tier nicht verschluckt - aber bei den kleinen Mengen, die man üblicherweise eingeben muss, klappt das in der Regel sehr gut. DurchfallDurchfall ist im Zweifelsfall ein Fall für den Tierarzt, wie alles, was einem seltsam vorkommt. Lieber einmal zu oft zum Tierarzt als einmal zu wenig... Aber leichter Durchfall, wie er bei Futterumstellungen, nach Antibiotika-Behandlungen oder Stress vorkommt, der Durchfall, der nicht mit Abgeschlagenheit oder gar Fieber und anderen Krankheitssymptomen einhergeht, lässt sich gut in den Griff kriegen. Und zwar mit diesen einfachen Mitteln: Bird-bene-bacDas ist eine Paste, in der bestimmte Bakterien enthalten sind, die den Darmtrakt von Tieren (und auch Menschen) besiedeln. Bakterien im Darmtrakt sind sehr wichtig, sie erzeugen Vitamine, regeln den pH-Wert im Darm und sorgen dafür, dass sich nicht viele pathogene Bakterien ansiedeln können, indem sie den pathogenen Keimen Nahrung und Platz streitig machen. Zerstört man die normale Bakterienflora im Darm, etwa durch orale Antibiotika, kann es zu Durchfällen kommen. Bei Tieren hat sich bewährt, die Flora mit der besagten Paste wieder "anzuwerfen". Die Paste führt der Tierarzt, sie kostet nicht viel. Man sollte versuchen, ob die Tiere das Zeug von selbst vom Finger lecken, denn es schmeckt anscheinend ganz gut (dazu kann man mit einem Stupser Paste ihr Mäulchen besudeln, so dass sie es ablecken müssen, dann kommen sie manchmal auf den Geschmack). Wenn nicht, muss man halt zum Handtuchtrick greifen und Zwang anwenden. Manchmal bemerken die Tiere beim Zwangsfüttern aber auch, dass die Paste lecker ist, und lecken ihre Portion am nächsten Tag freiwillig vom Finger. Trockene BrötchenDas ist endlich mal eine Medizin, die gern gefressen wird. Die Herstellung ist denkbar einfach und kostengünstig: Man besorgt sich beim Bäcker ein weißes Brötchen, schneidet es in kleine Stücke (etwa 2 x 2 cm), solange es noch nicht steinhart ist, und läßt es einen Tag liegen, wenn man es bei schlechten Bäckern gekauft hat, und zwei Tage, wenn man einen guten Bäcker kennt. ;-) Wie dem auch sei, wenn man mit dem Brötchen jemanden erschlagen oder Bretter schleifen könnte, ist es fertig. Dann spendiert man jeden Abend vor dem eigentlichen Füttern eines dieser Stücke. Das sorgt dafür, dass das gute Futter nicht sofort wieder aus dem Tierchen rausläuft. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Tiere die Brötchen verweigern, wenn sie sie nicht mehr brauchen, aber da ich nicht viel von Chinchilla-Instinkten halte, wenn es um's Essen geht, ist wohl besser, wenn man einfach mal testet, ob sich der Darm schon beruhigt hat, und das Brötchen einfach einen Tag weglässt. Der eigentlich obligatorische WarnhinweisNochmal in aller Deutlichkeit: Diese Tipps sind nur anzuwenden, wenn man sicher ist, dass das Tier eigentlich gesund ist. Durchfall kann auch das Symptom einer schweren Grunderkrankung sein, etwa einer tödlichen Infektionserkrankung. Schwerer Durchfall dehydriert ein so kleines Tier wie ein Chinchilla sehr schnell und kann auch ohne schwere Grunderkrankung zum Tod führen. Langwieriger Durchfall führt dazu, dass Nährstoffe, Vitamine und Mineralstoffe nicht mehr gut resorbiert werden können, was wiederum zu lebensbedrohlichem Gewichtsverlust und Mangelerscheinungen führen kann. Also, bei Durchfällen, die nicht schnell wieder weg gehen, die schwer sind oder die mit anderen Krankheitszeichen einhergehen, sofort zum Tierarzt. Gute Tierärzte findenDie meisten Tierärzte haben absolut keine Ahnung von Chinchillas. Dazu sind Chins einfach noch zu selten. Um einen guten Tierarzt zu finden, kann man z.B. in Tierkliniken nachfragen, meistens kennen die wenigstens jemanden, der sich damit auskennt. Ich kenne einen guten Tierarzt in Mannheim, den ich gern per Mail weiterempfehlen kann, wenn jemand Bedarf hat. |